Andacht für dich

zum 8.11.2020, dem drittletzten Sonntag im Kirchenjahr

Das Kirchenjahr geht zu Ende. So ist der November für viele in der Kirche ein zurückgezogener, eher stiller Monat. In diesem Jahr wird dieser Effekt – wenn auch ungewollt – durch den neuen Corona-Lockdown verstärkt, der uns alle schwer trifft.

Paulus schreibt, dass wir alle Kinder des Lichts sind. Er mahnt eindringlich, sich diesem Licht zu zuwenden, gerade wenn wir meinen, das Dunkelheit uns umfängt. Und wir wissen, Gottes Licht ist bei uns. Nicht nur im kommenden Advent, sondern auch gerade in der dunklen Zeit des Novembers. Für Paulus ist klar, mit der Taufe streifen wir eine neues Kleid über, ein Lichtkleid, dass uns zu besonderen Menschen macht.

Psalm – 85, 9-14

Könnte ich doch hören, was Gott der HERR redet, dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen, auf dass sie nicht in Torheit geraten.

Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserm Lande Ehre wohne; dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue; dass uns auch der HERR Gutes tue und unser Land seine Frucht gebe; dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe und seinen Schritten folge.

Brief des Paulus: 1. Thessalonicher 5, 1-6 aus der Basisbibel

Nun zu der Frage nach den Zeiten und Fristen, wann das geschieht: Brüder und Schwestern, eigentlich brauche ich euch dazu nichts zu schreiben. Denn ihr wisst selbst ganz genau: Der Tag des Herrn kommt unerwartet wie ein Dieb in der Nacht. Gerade sagen die Leute noch: »Wir leben in Frieden und Sicherheit! «Da wird das Verderben ganz plötzlich über sie hereinbrechen –so wie bei einer schwangeren Frau plötzlich die Wehen einsetzen. Dann gibt es kein Entkommen.

Brüder und Schwestern! Ihr lebt nicht im Dunkel. Deshalb wird der Tag des Herrn euch nicht überraschen wie ein Dieb. Denn ihr seid alle Kinder des Lichts und Kinder des Tages. Wir gehören nicht zum Bereich der Nacht oder der Dunkelheit. Wir wollen also nicht schlafen wie die anderen.Wir wollen vielmehr wach und nüchtern sein!

Die Gedanken des Paulusbriefes nimmt das aktuelle Monatslied von Ulf Werner & Kay Petersen auf. Einmal im Monat erscheint in der Nordkirche ein poppiger, christlicher Song, der ins Ohr geht und auch von Chören oder der Gemeinde gesungen werden kann. Unser Popularmusiker der Nordkirche, Jan Simowitsch hat die Reihe gestartet. Es lohnt sich hinein zu hören. Musik und Videos gibt es unter www.monatslied.de.

Ein Lichtkleid ja. Aber das Licht kommt von Außen auf uns zu. Dadurch verschwinden die Dunkelheiten des Lebens nicht. Im Hören auf den Himmelsgesang der Engel und die Hinwendung zum kommenden Licht, kommt aber neue Kraft. Das Lied:

Kein Heiliger von Ulf Werner, Kay Petersen (Auszug)

Ich bin kein Heiliger, aber muss ich das sein? Frage den Raben am Fenster, der neigt seinen Kopf und ich wertete das als ein „Nein“.

Dann flog er davon und ließ mich im sechzig Watt Wohnlicht allein. Ich bin kein Heiliger, aber muss ich das sein? Ich bin kein Heiliger, das bin ich nicht.

Die Anfangsszene im Video. Drei Herren im Unterhemd sitzen bei Kaltgetränken beim Kartenspiel und zeigen ihre Tattoos. Es kommt zum Streit. Einer der coolen Wollmützenträger reagiert sich auf dem Hausdach am Boxsack ab, später fährt er ziellos mit der Rad durch die Stadt. Er singt:

In mir ist es dunkel neben Neonflackerlicht. Ich bin kein Heiliger, auf dem Esel aus Draht. Drift ich im Autopilot durch die Straßen in grau und besprühe die Wände der Stadt. Die Buchstaben ziehen fragend in bröckelndes Mauerwerk ein.

So stellt man sich keinen Heiligen vor. Bestimmt nicht. Dunkelheit dominiert.

Ich bin kein Heiliger, die Dämonen im Ohr. Höre sie singen für mich und ich tanze in Trance, übertönt wird der Engelein Chor. Nonstop alles dreht sich bis mich die Strahlen der Sonne befrei’n.

Im Video die Schlüsselszene: Der Radler erreicht eine Kirche und entzündet die Kerzen. LICHT von außen. Strahlen, die befreien. Nun setzt die Musik ab. Der Radfahrer zieht seinen Talar an und tritt auf die Kanzel und singt weiter: Ich bin kein Heiliger, und das muss ich nicht sein! Ich bin kein Heiliger, das bin ich nicht. In mir ist es dunkel neben Neonflackerlicht.

Was der Kollege, Ulf Werner, hier darstellt, ist das, was wir alle kennen. Es gibt Dunkelheit und Licht. Und das Lied macht deutlich, wie sehr es das Licht von Außen braucht, die Strahlen des Lichts hinein in mein Herz. Die Hoffnung, die mir geschenkt wird.

Fürbittengebet zum Monatslied

von Helgo Jacobs, Propst im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg

Gott im Himmel,

bloß gut, dass Du auch die Dunkelheit gemacht hast.

Einen Moment mal Licht aus bitte. Meine Traurigkeit, Selbstzweifel, Eifersucht sind gerade zu Gast. Auch Wut und Ohnmacht wollen ungestört feiern und haben noch die Angst eingeladen.

Ich habe etwas Falsches gesagt, Gefühle verletzt, meine Dummheit veröffentlicht und möchte im Erdboden versinken. Gott, ist das peinlich.

Könnte ich meine zerstreuten Worte und Irrtümer doch wieder einsammeln. Aber die innere Kritikerin hat es schon scharfsinnig bemerkt, und ich stehe nun ohne Schutz vor dem vernichtenden Urteil derer, die mich verachten.

Sie haben recht. Mein Dunkel möchte ich Dir sagen. Erst danach möchte ich auch etwas von Deinem Licht.

Hilf mir, dass ich wenigstens manchmal gut zuhören kann, ab und zu ein passabler Vater bin und immer mal wieder ein brauchbarer Kollege, öfter auch politisch aufmerksam, oder von Zeit zu Zeit ein Christ, den du nicht dringend verstecken möchtest.

Ich weiß nicht genau, ob ich immerzu von dir gesehen werden möchte in Deinem Licht oder ob das nicht ein bisschen viel wäre. Aber ich wünsche mir, dass Du mich manchmal siehst und die anderen, die mit Novembergedanken nach Dir fragen, auch. Und nicht nur all die schwerelosen Lichtgestalten.

Denn wir mit den finsteren Träumen brauchen vor allem Deine guten Ideen. Amen.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Pastor Thielko Stadtland


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